Ausstellungen im Haus Loer sind zu einem Markenzeichen unseres Vereins geworden. Das Haus Loer bietet auf allen Etagen schöne Räume, die sich für die Präsentation von Ausstellungen hervorragend eignen.
Zusätzlich schuf man durch die Tieferlegung des Kellers einen sehr stimmungsvollen Ausstellungsraum, mit dem insbesondere archäologische Objekte perfekt harmonieren.

Ausstellungen im Haus Loer

Der Bestand des Geschichts- und Museumsvereins an historischen und archäologischen Materialien hätte das Haus Loer vollständig gefüllt. Jedoch ein Heimatmuseum mit einer Dauerausstellung zu schaffen, stand schon bei der Konzeption der Restaurierung des Hauses Loer nicht im Focus. Die Erfahrung in vielen Orten mit ähnlichen Einrichtungen lehrt, dass das Interesse an solcher Art Museen in der Regel schnell abebbt.

Unser Konzept: Wechselausstellungen

Vielmehr sollten Ausstellungen mit wechselnden Themen ein interessiertes Publikum immer wieder neu ansprechen. Die mehr als 30 bisherigen Ausstellungen mit sehr unterschiedlicher Thematik führten viele Besucher in das Haus Loer und zeigen den Erfolg dieses Ansatzes. Mit dem Konzept der Wechselausstellungen wurde somit ein großer Teil der Elzer Mitbürger angesprochen und viele auswärtige Besucher nach Elz gelockt.
Die Organisation und Betreuung der Ausstellungen übernehmen immer Mitglieder des Elzer Geschichts- und Museumsvereins.
Auch die Kosten sämtlicher Ausstellungen werden von unserem Verein oder durch Sponsoring von Privatpersonen und Institutionen getragen.

Ausstellung: „Weihnachtsbrauchtum – Böhmen-Mähren-Egerland-Erzgebirge“

Um die Advents- und Weihnachtszeit 2018 präsentierte der Elzer Geschichts- und Museumsverein diese weithin beachtete Ausstellung. Sie war nur durch die Unterstützung von Weihbischof em. Dr. Gerhard Pieschl sowie den Zwillingsbrüdern Hermann und Robert Bandt möglich, die alle Ausstellungsobjekte zur Verfügung stellten.

Ausstellungen im Haus Loer

Weihbischof Pieschl, Bürgermeister Kaiser, Gebrüder Bandt

Jeder historisch Interessierte kennt die Geschichte der Flucht großer Teile der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten gegen Ende des II. Weltkriegs. Grund für diese Flucht waren die Befürchtungen vor Racheakten der "Roten Armee" für die Taten der "Deutschen Wehrmacht" in Polen und der Sowjetunion. Ebenso ist die Vertreibung und erzwungene Auswanderung deutschstämmiger Menschen aus Ost- und Südosteuropa von 1945 bis 1950 geläufig. Bereits 1941 hatten die Exilregierungen Polens und der Tschechoslowakei die Vertreibung der Deutschen als Vergeltung für die Kriegshandlungen in ihren Ländern gefordert, aber erst in der Potsdamer Konferenz der Aliierten im Juli 1945 wurde sie beschlossen. Die "Potsdamer Beschlüsse" nennen die Vertreibung vieler Menschen in Abschnitt XIII  "Ordnungsmäßige Überführung deutscher Bevölkerungsteile“. Inzwischen stufen mehrere Völkerrechtsberater der Vereinten Nationen die damalige Vertreibung der deutschen Bevölkerung als völkerrechtswidrigen Akt ein.

Ausstellungen im Haus Loer

Weihbischof Dr. Gerhard Pieschl und Josef Schmitt

Das Schicksal von Flucht und Vertreibung betraf 12 bis 15 Millionen Menschen, eine abstrakte Zahl, die jede Vorstellung sprengt. Erst recht vermittelt sie nicht, was dies für die einzelnen Menschen bedeutete.

Historische Details

Dagegen machen Erzählungen von Einzelschicksalen betroffen, weil sie einen Einblick davon geben, was den Vertriebenen damals widerfahren ist. Da sich unser Verein primär der Geschichte von Elz widmet, richtet sich unser Blick eher auf historische Details, als auf die großen historischen Linien - selbstverständlich ohne diese zu vergessen. Unter diesem Aspekt gilt unser besonderes Interesse den persönlichen Erlebnissen und Schicksalen. Daher sind wir Weihbischof em. Dr. Gerhard Pieschl und den Gebrüdern Bandt besonders dankbar, dass sie uns an ihren persönlichen Schicksalen und denen ihrer Familien im Rahmen dieser Ausstellung teilhaben lassen.

Die Truhe mit Weihnachtsschmuck

Robert und Hermann Bandt stammen aus Arnsdorf (heute: Arnoltice), Kreis Römerstadt (heute: Rýmařov) und erlitten im Jahr 1946 die Vertreibung ihrer Familie als dreijährige Kinder. Mit ihren Eltern und weiteren 4 Geschwistern kamen sie zunächst in das Aufnahmelager Villmar und blieben auch später in unserer Region. Ursprung ihrer Sammelleidenschaft war eine der Truhen, die ihre Mutter bei der Flucht in die damalige amerikanische Besatzungszone mitnehmen durfte. Sie enthielt neben Kleidung und Haushaltsgegenständen auch den böhmischen Weihnachtsbaumschmuck. Dieser Baumschmuck bildet den Kern der umfangreichen Sammlung, die von den beiden Brüdern im Laufe der Jahre zur größten Sammlung von Volkskunst aus dem Erzgebirge ausgebaut wurde. Sie enthält heute Krippen, Schwibbögen, Spieluhren und weitere Beispiele böhmischer Glaskunst. Da Robert und Hermann Bandt während der Ausstellung häufig selbst anwesend waren, erfuhren die Besucher auch die Geschichte dieser Exponate.

Sakrale Gegenstände

Auf den Ruf der böhmisch-mährischen Herzöge hin siedelten sich große Bevölkerungsgruppen aus dem Westen im 12. Jahrhundert in Böhmen und Mähren an. Durch diese Wanderungsbewegung sind die Gebiete mit ehemals großem deutschen Bevölkerungsanteil auf dem Territorium der heutigen Tschechischen Republik entstanden. Mit der frühen Ostkolonisation kam auch der römisch-katholische Glaube weiter in den Osten und existierte jahrhundertelang neben der russisch-orthodoxen Glaubensrichtung.
Weihbischof em. Dr. Gerhard Pieschl steuerte mehrere sakrale Gegenstände aus seiner ursprünglichen Heimat Mährisch Trübau (heute: Moravská Třebová) zur Ausstellung bei. Sie sind Belege für den intensiv gelebten Glauben der dortigen Bevölkerung.
Bei seiner Ansprache zur Ausstellungseröffnung hob Weihbischof Dr. Pieschl auch die gewaltige Leistung des deutschen Volkes bei der Aufnahme von rund 15 Millionen Flüchtlingen besonders hervor.
Sein abschließendes Lob galt der Initiative unseres Vereins zur Realisierung dieser Ausstellung. Daher schloss er seine Ausführungen mit den Worten: "Ich bin dankbar für diese Ausstellung in diesem schönen Haus, ich fühle mich hier gut aufgehoben."