„Gehannsdoag“ in Covid 19-Zeiten

Das Patronatsfest der Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer nimmt im Bewusstsein der Elzer traditionell einen hohen Stellenwert ein. Der Gang zur Johanneskapelle zum abendlichen Festgottesdienst, die Begleitung durch die Elzer Musikanten, die Anwesenheit der Kirmesburschen, das Johannesfeuer - alle diese Rituale tragen zur Verbundenheit in und mit unserem Dorf bei. Das Angebot des Geschichts- und Museumsvereins zum geselligen Beisammensein nach dem Gottesdienst wird gerne angenommen, wobei in guten Gesprächen alte Erinnerungen weitergegeben werden und so lebendig bleiben. Nicht zuletzt kommen die Gewinne aus dem Speisen- und Getränkeverkauf dem Erhalt der Johanneskapelle zugute.
Früher intensivierten die Menschen gerade in Notzeiten das spirituelle Leben durch gemeinsame Gebete, Gottesdienste und Bittprozessionen, was aber im Falle von Pandemien zur schnelleren Ausbreitung der betreffenden Krankheiten und damit oft zu katastrophalen Folgen führte. Durch die Fortschritte in der Medizin und den Naturwissenschaften kennen wir viele Eigenschaften des Corona Virus und wissen, dass wir dessen Ausbreitung aktuell nur über Kontaktbeschränkungen verhindern können.
Für das Miteinander in unserer Gemeinde, in der die Feier des "Gehannsdoags" ein integraler Bestandteil ist, bedeutet dies eine empfindliche Einschränkung mit der wir leben müssen.

Alternative Ideen

Gut, dass in Elz immer wieder Ideen entwickelt werden und neue Formen gefunden werden, die dem gemeindlichen Miteinander neuen Schub geben. So sang- und klanglos wollte nämlich unser
1. Vorsitzender Josef Schmitt das Patronatsfest auch in Coronazeiten nicht vorüberziehen lassen, sondern entwickelte kurzerhand ein alternatives Konzept. Als Organist und Chorleiter erkannte und nutzte er das Potential, das einige Mitglieder des Geschichtsvereins im musikalischen Bereich bieten. Neben seiner Frau Christel (Mezzosopran) konnte er Dr. Bernold Feuerstein (Bass) als Kantor für den Festgottesdienst gewinnen. Mit Jörg Müller (Tenor) und seiner Tochter Paula (Sopran) gelang damit die Zusammenstellung eines vollständigen Quartetts aus Vereinsmitgliedern. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit harmonierte dieses Quartett, ergänzt durch Josef Schmitts umsichtige Leitung und Orgelbegleitung, ausnehmend gut.
So wurde der Festgottesdienst mit dem Zelebranten Pfarrer Steffen Henrich trotz Coranabeschränkungen zu einer wichtigen und guten Erfahrung für alle Gottesdienstbesucher.

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Pfarrer Henrich bedauerte, dass es den Gottesdienstbesuchern verwehrt sei, in bekannte Lieder einzustimmen, was insbesondere beim "alten Johanneslied" und beim "Te Deum laudamus" als schmerzlich empfunden wurde. Jedoch stellte die festliche Orgelimprovisation über das Johanneslied als Introitus, der Vortrag einzelner Strophen des Johannesliedes in wechselnder Besetzung und das "Großer Gott wir loben dich" als Cantus Firmus der Männerstimmen mit Überchor der Frauenstimmen mehr als einen Ersatz dar, es war eine Gottesdienstbegleitung, die unter die Haut ging. Die feststehenden Messteile wurden von Dr. Feuerstein als Kantor professionell vorgetragen und an verschiedenen Stellen durch die anderen Stimmen ergänzt. W. A. Mozarts "Ave verum corpus" ist eigentlich eine Motette für 4-stimmigen Chor, Streicher und Orgel. Die Reduktion auf die Darbietung durch ein Sängerquartett mit dezenter Orgelbegleitung erlaubte ein tiefgehendes Hörerlebnis. Einen weiteren Höhepunkt in der Gottesdienstgestaltung stellte Paula Müllers bezaubernde Interpretation des "Panis angelicus" von Cesar Franck dar.

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