Der Backes in Elz erwacht zu neuem Leben
Der Duft frisch gebackenen Brotes: Junge Bäcker erwecken den Ofen zur Weihnachtszeit zu neuem Glanz
Von Anette in Concas
ELZ. Es gab Zeiten, da waren in Elz noch 25 Bäcker tätig – die Gemeinde ist also nicht nur ein Sänger – sondern auch ein echtes Bäckerdorf. Grund genug für den Museums- und Geschichtsverein, im Jahr 2007 ein Gemeindebackhaus (Backes) zu errichten. Das wurde von Anfang an fleißig genutzt, doch dann war Stillstand. Nach jahrelanger Pause wird der Ofen in diesem Jahr nun wieder geheizt. Sechs angehende junge Bäcker, alle Auszubildende von „Schäfer Dein Bäcker“, werden den historischen Backes zum Weihnachtsmarkt am Freitag, 30. November, zum Leben erwecken. Unterstützt werden sie von Ausbilder und Bäckermeister Ingo Bergmann und Bäckerin Daniela Gerster. Begleitet werden sie zusätzlich von Geschichtsvereinsmitglied Michael Jung, der sich hervorragend mit dem Ofen auskennt und extra aus dem Odenwald anreist.
Gebacken werden Dinkel-Steinofenbrote und die Hefezöpfe, die im Dorf traditionell besonders beliebt sind. Auch Dippekuchen und Elzer Flammkuchen kamen schon aus dem Holzbackofen des Backes – ein Hinweis darauf, dass hier oft nicht nur Brot, sondern vielfältiges und regionales Backgut entsteht.
Das Backes steht auf einem gemeindeeigenen Grundstück an der Pfortenstraße, zwischen Haus Loer und dem Kindergarten. Das Gebäude hat eine lange Geschichte: Ursprünglich diente es als kleiner Stall für die häusliche Tierhaltung. Als der Elzer Museums- und Geschichtsverein beschloss, dem Dorf wieder ein funktionierendes Backhaus zu schenken, musste das alte Gemäuer zunächst vollständig renoviert werden. Die Futtertröge verschwanden, neue Türen wurden eingebaut sowie passende alte Eichenfenster gesucht und gefunden werden. Viele der Arbeiten erledigten die Vereinsmitglieder, die der Initiative des Vorsitzenden Josef Schmitt begeistert folgten, in Eigenleistung.
Gebacken wird in einem sogenannten Königswinter-Ofen, eingebaut von der Elzer Firma Sinning, die damals auf der Schwanenmühle zu Hause war. Er kostete zu jener Zeit 14.700 Euro; insgesamt beliefen sich die Umbaukosten auf 58.000 Euro. Bevor der Ofen aber erstmals genutzt werden konnte, musste er vier Wochen lang regelmäßig bis 500 Grad aufgeheizt werden. Er kann von beiden Seiten befeuert werden und ist im Inneren mit Steinwolle isoliert. Die Backfläche weist eine acht Zentimeter starke Steigung von vorne nach hinten auf – ideale Bedingungen für Brot mit einer besonders knusprigen Kruste.
Ofen musste erst repariert werden
Im September 2011 wurde das Gebäude schließlich noch in einem warmen, rostroten Farbton gestrichen und strahlt seither auch nach außen Wärme aus. Josef Schmitt hoffte von Beginn an, dass Kindergärten, Vereine und Menschen aller Herkunft das Backes als Ort der Begegnung nutzen würden. In den vergangenen Jahren ist es aber ruhig um das Backes geworden, der Backofen funktionierte nicht mehr richtig und Corona sorgte ebenfalls für Stillstand.
Aber jetzt kehren die alten Glanzzeiten zurück. Der Ofen wurde im September repariert und ist nun voll funktionstüchtig. Wenn am Weihnachtsmarkt der Duft frisch gebackenen Brotes durch die Pfortenstraße zieht, wird das Dorfbackhaus wieder zu dem, wofür es geschaffen wurde: einem lebendigen Ort des Handwerks, der Gemeinschaft und der Elzer Identität. Gekauft werden kann das Brot sonntags ab 11 Uhr. Es kostet 6,50 Euro, der Erlös kommt dem Geschichtsverein zugute.
(NNP, 12.November 2025)