Josef Weimer und die Kunst
Der Restaurator und Maler aus Elz zeigt an heimischer Baukunst, wie Kunst aus Seele und Geist entsteht
Text und Fotos von Bernd Lormann, NNP 02.10.2026
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ELZ. Der Restaurator und Maler Josef Weimer (89) aus Elz hat sich durch Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an den Domen in Limburg, Fulda und Frankfurt sowie an Kirchen in Marburg, den Abteien Schönau und Marienstatt sowie Kloster Eberbach international einen kompetenten Ruf erworben. Als Fachmann der Denkmalpflege hat er sich bundesweit verdient gemacht und auch Publikationen verfasst. Jetzt hat Josef Weimer ein 60 Seiten umfassendes Werk unter dem Titel „Kunst, was ist das?“ zusammen mit dem Elzer Geschichts- und Museumsverein herausgegeben. An zahlreichen Beispielen heimischer Baukunst sowie Zeichnungen und Skulpturen setzt er sich mit dem Begriff Kunst auseinander. Abschließend kommt er zu dem Urteil: „Kunst ist ein schöpferisches, vergeistigtes Handwerk.“
Die Menschheit lehren und ihr neue Wege aufzeichnen
Ausführlich geht Weimer der Bedeutung des Wortes „Kunst“ auf den Grund. In seinem neuen Buch heißt es: „Die Kunst muss in manuell, handwerklich gefertigten Werken dem Menschen übergeben werden. Aber der Inhalt dieser Werke, sei es in der Musik, in der Malerei, in der Bildhauerei, in der Architektur oder in der Literatur, ist immer geistigen und seelischen Ursprungs. Nur aus dieser Geisteshaltung heraus kann der Künstler schöpferisch überzeugend tätig werden. Seine Aufgabe ist es, die Menschheit zu lehren und ihr neue Wege aufzuzeichnen.“
Für Josef Weimer steht fest: Kunst entsteht aus der Seele und dem Geist des Menschen. Aus Seele und Geist kommt die Inspiration. In seinem Buch hat Weimer versucht, fachliche Begriffe der bildenden Kunst, der Baugeschichte und der Musik zu erklären. Dabei hat er auch Beispiele für Zerstörungen und unwiederbringliche Verluste benannt. Die Erhaltung historischer Substanz und Rekonstruktionen sind für ihn wichtig.
Ein staufisches Juwel, aus dem der Geist Gottes spricht
Folgende Bauwerke oder Themen bestimmen den Inhalt des Buches: Sakrale Baukunst vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert, ottonische und salische Baukunst vom 10. bis zum 12. Jahrhundert, der Dom zu Speyer, der Dom zu Worms und der Dom zu Limburg, staufische Baukunst von 1150 bis 1260, die Kirche St. Peter und Paul in Hochheim, das Haus Loer in Elz aus dem Jahr 1610, das historische Elzer Rathaus sowie weitere Fachwerkbauten in Elz wie der Schönauer Hof in der Lehrgasse, das Bausche Haus, die kolorierte Zeichnung von Albrecht Dürer „Maria mit den vielen Tieren“. Hinzu kommen Tafelbilder, Ikonen, Mosaike, Skulpturen und schließlich auch Musik und Gesang.
Zur Historie und zur Kunst im Limburger Dom hat Josef Weimer, der maßgeblich an der Restaurierung der in den Jahren 1180 bis 1235 entstandenen Stiftskirche mitgewirkt hat, ausführlich Stellung genommen. Bei der Restaurierung wurde festgestellt, dass etwa 80 Prozent der ursprünglichen Raumfassung erhalten waren. Vorhandene Schäden und Verluste an der Raumfassung seien vorwiegend durch Vorgängerrestaurierungen entstanden. Die freskale ursprüngliche Raumfassung des Limburger Domes sei dennoch in dieser Größenordnung und im Erhaltungszustand ein Unikat unter allen bekannten erhaltenen Sakralbauten aus dieser Zeit, schreibt Weimer. Wörtlich: „Ein staufisches Juwel, aus dem der Geist Gottes spricht.“
Als nennenswerte Beispiele der Baukunst in Elz nennt Weimer unter anderem das Bausche Haus in der Friedrich-Ebert-Straße 19, das Haus Loer in der Pfortenstraße (1610) und den Schönauer Hof am Hirtenplatz zum Eingang zur Lehrgasse. Das Bausche Haus gilt als hessisch-fränkisches Fachwerkhaus einer fränkischen Wohnanlage aus dem Jahr 1712.
Caspar Schwan, der spätere Abt des Klosters Schönau, stammte aus dem Schönauer Hof. Das erhaltene Wohngebäude aus dem Jahre 1662 ist das älteste erhaltene Gutshaus in Elz. Vorgängerbauten sind schon aus der Zeit des Hohen Mittelalters bekannt. Von 1145 bis 1806 gehörte die Hofanlage zur Abtei Schönau im Einrich. Am Erker des Hauses befindet sich das auch heute noch gut lesbare Wappen des Abtes Caspar Schwan von 1662 in lateinischer Schrift. Die Übersetzung lautet unter anderem: „Gottes Worte stehen fest und Frömmigkeit dauert auch ewig. Alles andere stürzt. Welt und das All hier vergeht. Das ist das Mahnwort des Abtes, der einstmals in Schönau regierte. Caspar Schwans Sinnspruch, den er den Seinen gab.“
Das Buch ist nicht im Handel erhältlich. Interessenten können sich aber an den Geschichts- und Museumsverein in Elz oder an den Autor selbst wenden.