Vorträge

Im Verlauf der über dreißigjährigen Geschichte unseres Vereins wurden viele Vorträge gehalten. Daher ist es unmöglich an dieser Stelle alle Vortragenden zu nennen und die höchst unterschiedlichen Themen der Vorträge zu beschreiben. Dies kann nur beispielhaft geschehen. Zudem haben Vorträge eine eigene Dynamik, so dass der Verlauf des Vortragsabends durch die Veröffentlichung der Manuskripte nur unzureichend wiedergegeben wird. Es ist daher meist erforderlich, das Vortragsthema in einem Gesamtzusammenhang darzustellen, um dessen Bedeutung entsprechend einordnen zu können.

Detlev Schneider: "Das Hofgut des Klosters Eberbach in Elz"
Einordnung des Themas

Die Gründung des Zisterzienserordens im frühen 12. Jahrhundert zielte auf eine strengere Auslegung der benediktinischen Ordensregeln. Deshalb verrichteten neben den Laienbrüdern (Konversen) auch die Chormönche die zum Unterhalt der Klöster erforderlich Arbeiten. Offenbar war die zisterziensische Lebensform für viele Männer sowohl aus dem Adel als auch der niederen Stände so attraktiv, sodass der Zisterzienserorden sehr schnell expandierte. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts gab es in Europa 742 zisterziensische Niederlassungen.

Entsprechend dem Wunsch nach Abgeschiedenheit erfolgten Neugründungen meist in Ödland oder Sumpf- und Waldgebieten. Durch die Urbarmachung dieser Gebiete entwickelten sich die Klöster zu zivilisatorischen Zentren. Mit ihren besonderen Fähigkeiten (Land- und Wasserwirtschaft, Weinbau und Forstwirtschaft, Vieh- und Fischzucht, Architektur, Brückenbau, Mühlenbetrieb) prägten die Zisterzienser nachhaltig die mittelalterliche Infrastruktur. Sogar der Gewinnung, Verhüttung und Bearbeitung von Metallen widmeten sie sich. Dadurch konnten sie u.a. den Beetpflug verbessern, dessen Einsatz zur Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge führte.

Die Zisterzienser organisierten ihre landwirtschaftlichen Produktion in Gütern, die sie Grangien nannten. Durch die Verpflichtung der Grangienmeister (Leiter der Grangie) zur Abgabe jährlicher Berichte über die wirtschaftliche Lage besitzen wir heute detaillierte Materialien über deren Haushaltsführung. Diese Anklänge an moderne Rechnungslegung stellten einen enormen verwaltungstechnischen Fortschritt dar. Auch die Abgabe der Pacht war streng organisiert und erfolgte an Verwaltungsbeamte, Keller genannt, in eigens dafür gegründeten Niederlassungen. Eine solche Niederlassung war der Gebäudekomplex „In der Erbach“ in Limburg, wo die Elzer Pächter ihren Pachtzins abgeben mussten.

Besitz des Klosters Eberbach in Elz

Neben dem Erwerb von Grund und Boden durch Urbarmachung von Ödland vermehrte sich später der Grundbesitz der Klöster durch die Übertragung von Ländereien gegen eine Rente auf Lebenszeit. Zunehmend erhielten die Klöster aber auch Schenkungen, wobei sich die Geber positive Auswirkungen auf ihr Seelenheil erhofften. In diesem Kontext ist auch die Schenkung des Scholasters Hertwin zu sehen. Er übereignete im Jahr 1326 zwei Elzer Höfe und weitere Güter in der Umgebung dem Kloster Eberbach. Die Auflage für diese Stiftung war sein Begräbnis auf dem Gelände von Kloster Eberbach.

Die Forschungsarbeiten Detlev Schneiders

Die Urkunden und Akten des Klosters Eberbach befinden sich nahezu vollständig im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. So konnte Detlev Schneider aus diesen Materialien den Umfang der Ländereien, die Pachtbedingungen sowie eine lückenlose Pächterfolge des „Eberbacher Hofgutes in Elz“ erstellen.

Vor einigen Jahren hielt er einen exzellenten Vortrag beim Elzer Geschichts- und Museumsverein über „Das Hofgut des Klosters Eberbach in Elz“. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit stellt Detlev Schneider hier auch zum Download zur Verfügung.

„Das Hofgut des Klosters Eberbach in Elz“ von Detlev Schneider

Um die Angaben der zitierten Maßeinheiten und Geldwerte zu verstehen sowie sie in das metrische System umzurechnen, sei hier der "Mittelalter-Rechner" von Alf Leue empfohlen.

Detlev Schneiders Recherchen ergaben, dass Haus, Scheune und Ställe des Hofgutes des Klosters Eberbach nicht im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurden. Im Jahr 1659, also erst 11 Jahre nach Kriegsende, wütete in Elz ein Brand, dem das Hofgut und weitere Häuser zum Opfer fielen. Die Gebäude des Hofgutes wurden nicht wieder aufgebaut, aber das dazugehörige Land fand immer Elzer Pächter.

Erst am Anfang des 18. Jahrhunderts erbauten Anna und Wilhelm Blättel etwa an gleicher Stelle ein neues Hofhaus. Es existiert heute noch und wir kennen es sowohl unter dem Namen "Eberbacher Höfchen" als auch als "Blettelscher Hof".

Inschrift "Blettelsches Hofgut"

Segenswunsch des Erbauerehepaares Anna und Wilhelm Blättel

 

Vorträge Themen Eberbacher Hofgut

Blättelscher Hof - Eberbacher Höfchen