Elzer Johannestag - "Gehannsdoag"


Seit dem 13. Jahrhundert ist Johannes der Täufer Schutzpatron der Elzer Pfarrkirche. So entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein besonderes Verhältnis der Elzer zu diesem Heiligen, was spezielle Bräuche rund um den Elzer Johannestag "Gehannsdoag" am  24. Juni mit sich brachte. Für viele Elzer Bürger war der "Gehannsdoag" ein hoher Feiertag an dem die Arbeit in der Landwirtschaft ruhte und an dem sich die Arbeitnehmer Urlaub nahmen. Unsere moderne Lebensweise steht einer solch innigen Beziehung zum "Gehannsdoag" entgegen, aber als besonderer Tag gilt der 24. Juni bei vielen Elzern auch heute noch.

Die Heilquelle

Ein weiterer Umstand, durch den die Elzer zur besonderen Verehrung des hl. Johannes kamen und dem Elz die erste Johanneskapelle verdankt, ist die Entstehung einer Quelle an dem damaligen Weg nach Hadamar im Jahr 1630. Hierüber berichtet das Tagebuch der Jesuiten zu Hadamar:

Johannesquelle nach der Restaurierung im Jahr 1977

"In diesem Monat wurde die Quelle bei Elz berühmt. Sie begann im vorigen Jahr an einem trockenen Platz, wo man noch nie Wasser sah, dünn zu rieseln. Dann floss sie stärker und lockte Menschen aus der Ferne an. Sie kamen in großer Zahl, um gesund zu werden. Ihre Ahnung täuschte sie nicht. Dass die Quelle vielen geholfen hat, bezeugen die zahlreichen Weihegaben, die man dort zurückließ."

Durch Bombenabwürfe in II. Weltkrieg kam es vermutlich zu Erschütterungen im Untergrund, die die Quelle versiegen ließen. Trotz unterschiedlicher Maßnahmen im Zuge der Restaurierung im Jahr 1977 blieb die Quelle trocken.

Die erste Kapelle

Bereits im 17. Jahrhundert, also kurze Zeit nachdem die Heilkraft der Johannesquelle bekannt geworden war, errichtete man eine Kapelle in der Nähe der Heilquelle. Da sie den Namen Johann-Ludwig-Kapelle trug, war sie vermutlich eine Stiftung des Hadamarer Fürsten Johann-Ludwig (1590 - 1653). Erhard Weimer zitiert im Elzer Atlas einen zeitgenössischen Bericht, nach dem manche Elzer diese Kapelle lieber besuchten, als die Pfarrkirche St. Johannes. Im Laufe der Jahre traten zunehmend Schäden an der Kapelle auf, die nicht repariert wurden, bis sie im 2. Koalitionskrieg (1799 - 1802) nahezu völlig zerstört wurde. An eine Renovierung oder gar an einen Neubau war während der Massenarmut in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht zu denken. In Elz verschärften sich die Verhältnisse zusätzlich durch den Großen Brand von 1850 bei dem viele Häuser, Ställe und 25 Scheunen mit der eingebrachten Ernte in Flammen aufgingen.

Die Johanneskapelle

Erst mit der späten Industrialisierung in unserer Gegend und dem Bau der Eisenbahn besserten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Verhältnisse in Elz so weit, dass man an umfangreiche Baumaßnahmen denken konnte. Da aber der Abriss der  baufälligen Pfarrkirche und deren Neubau Priorität hatte, zog sich sich Erneuerung der Johanneskapelle bis zum Jahr 1891 hin.

Elzer Johannestag "Gehannsdoag" Johanneskapelle vor 1908

Johanneskapelle vor 1908

Elzer Johannestag

Vorstandsmitglieder in der Johanneskapelle

"Der jetzige Standort der Kapelle dicht an der Chause einerseits ist nicht gerade sehr geeignet zum Beten." Mit diesem Argument versuchte der damalige Elzer Pfarrer Johann Spring den Gemeindevorstand von einem anderen Standort zu überzeugen. Es wäre eine nette Spekulation sich auszumalen, was Pfarrer Spring heute dazu sagen würde. Er schlug den Schnatzeberg für die neue Johanneskapelle vor, zu der dann von der Ortsmitte ein Kreuzweg führen sollte. Obwohl der Gemeindevorstand sich zunächst einverstanden zeigte, blieb es schließlich bei dem alten Standort.
Erst die Stiftung des Ehepaares Faust mit einem Grundkapital von 6000 Mark ermöglichte der immer noch recht armen Gemeinde den Neubau der Johanneskapelle.
Der Diözesanbaumeister plante eine Kapelle in neugotischem Stil mit sechseckigem Grundriss und angebauter rechteckiger Vorhalle. Beim Bau verwendete man die heimischen Materialien Schalstein und Sandstein.
Die Bombentreffer in der Nähe der Kapelle während des II. Weltkrieges ließen nicht nur die Johannesquelle versiegen, sondern zerstörten auch Teile des Daches und die gemalten Fenster. An die Faustsche Schenkung erinnert eine Marmortafel über der Eingangstüre:
"Nachdem eine vor über 250 Jahren hier errichtete Kapelle baufällig geworden war, schenkte Johann Faust aus Elz ein ansehnliches Grundkapital zur Ausführung und Unterhalt dieses Gotteshauses."

Die Johanneskapelle - ein Elzer Lieblingsort

Schon im 17. Jahrhundert gingen viele Elzer lieber zur Johann-Ludwig-Kapelle als in die Pfarrkirche. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen viele Menschen zur Heilquelle, um Linderung ihrer Leiden zu erfahren. Man kann daher mit Fug und Recht behaupten, dass der Bereich um die Johanneskapelle zu einem der Lieblingsorte der Elzer gehört.
Diese Tatsache nutzt unser Verein um die Tradition rund um den Elzer Johannestag "Gehannsdoag" wieder aufleben zu lassen. Neben der Pflege des Geländes investierte der Elzer Geschichts- und Museumsverein in ein Geläut für die Kapelle. Zum Schutz vor Vandalismus in der Vorhalle, die häufig als entwürdigender Lagerplatz benutzt wurde, brachten wir ein wunderschönes schmiedeeisernes Gitter an. Zudem konnte in Zusammenarbeit mit der Zivilgemeinde eine angemessene Beleuchtung installiert werden, die ebenfalls vor unsinniger Zerstörungswut schützen soll.

Diese Maßnahmen zur Infrastruktur des Bereiches Johanneskapelle bilden die Grundlage für unsere Brauchtumspflege rund um den den Elzer Johannestag "Gehannsdoag". Bauliche Verbesserungen sind notwendig, bringen aber noch kein Leben in fast vergessene Traditionen. Der Platz vor der Kapelle entwickelte sich zu einem beliebten Rastplatz für Spaziergänger und Radfahrer. Seine weit in die Vergangenheit reichende Bedeutung und seine geistliche Dimension erfahren diese "Passanten" aber nicht.
Unser Geschichtsverein dringt daher auf eine Aufwertung der Johanneskapelle im Gemeindeleben. Dazu gehören die jährlichen Gottesdienste zum "Gehannsdoag" mit Einbindung der Elzer Musikanten und der Elzer Kirmesjugend. Der Gottesdienst mit den Kirmesburschen und vielen Mitbürgern mit der anschließenden gemeinsamen Feier bildet inzwischen einen der Höhepunkte in unserer Pflege des Elzer Brauchtums.